Psiphon und die iranische Wahl 2013

27.10.2013 - 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 4.6.2021

Psiphon hat jede Woche über eine Million aktive Nutzer. Menschen nutzen unsere Software, um Nachrichten, Informationen und Social-Media-Inhalte zu erhalten, die sie sonst nicht sehen könnten. Wir bieten Apps für Windows- und Android-Geräte an, die größtenteils über Partnerschaften mit Nachrichtensendern und Menschenrechtsorganisationen verbreitet werden.


In diesem Jahr hatten wir eine besonders große Wirkung im Iran, zeitgleich mit den Präsidentschaftswahlen dort. Der Iran war für uns schon immer eine große Herausforderung, und dort nutzen auch die meisten Menschen unsere Software. In einer normalen Woche verbinden sich bis zu 1,5 Millionen Unique User aus dem Iran mit unserem Netzwerk. Es gibt im Iran rund 45 Millionen Menschen mit Netzanbindung, was 60 % der Bevölkerung entspricht.


Wir wussten, dass die Wahlperiode Probleme mit sich bringen würde, hatten aber keine genaue Vorstellung davon, was auf uns zukommen würde. Zunächst gab es bereits im März Berichte, dass VPN-Software im Land blockiert wurde, wie auf der Website des Wired-Magazins berichtet wurde. Psiphon blieb während dieses gesamten Zeitraums verfügbar, und tatsächlich verdoppelte sich die Nutzerbasis in nur vier Wochen. Wir schalteten viele weitere Server online, um die zusätzliche Last auf unserem Netzwerk zu bewältigen.


Anfang Mai erreichte die Störung des Internets im Iran dann ein völlig neues Ausmaß. Wir beobachteten einen plötzlichen Anstieg der Verbindungen, was darauf hindeutete, dass die Software in schneller Folge getrennt und wieder neu verbunden wurde. Mit der Hilfe von Collin Anderson und ASL19 erfuhren wir, dass SSL-Verbindungen nach 60 Sekunden gekappt und alle Verbindungen zu Websites außerhalb des Iran massiv gedrosselt wurden.


Menschen, die Psiphon nutzten, konnten sich zwar immer noch verbinden und einige Inhalte sehen, hatten jedoch mit starken Beeinträchtigungen zu kämpfen. Der integrierte Feedback-Mechanismus von Psiphon ermöglichte es den Nutzern, Diagnoseinformationen zu übermitteln, die uns weiterhalfen – wir erhielten täglich Tausende von Rückmeldungen, die alle wichtige Hinweise enthielten, um zur Normalität zurückzukehren.


Unser Entwicklungsteam veröffentlichte rasch ein Update für Psiphon, das einen ersten Workaround bot. In den Wochen vor der Wahl folgten sechs weitere Versionen. Die Software von Psiphon aktualisiert sich automatisch, und diese Versionen wurden direkt an die Endnutzer übertragen. Mindestens die Hälfte unserer Nutzerschaft verfügte innerhalb eines Tages nach der Veröffentlichung über das Upgrade, und zum Zeitpunkt der Wahl verbanden sich 90 % der Psiphon-Nutzer mit nachweislich funktionierenden Versionen.


Das Ziel von Psiphon für die Dauer der Wahlen war es, zu versuchen, unser Netzwerk aufrechtzuerhalten, damit jeder mit einer Internetverbindung weiterhin die Inhalte abrufen konnte, die er sehen wollte. Bis zu 500 aktive Server auf unterschiedlichen Netzwerken kamen dafür zum Einsatz, engmaschig überwacht von den technischen Teams, um sicherzustellen, dass das System während dieser Zeit durchgehend verfügbar war.


Berichte aus dem Iran deuten darauf hin, dass die Drosselung von SSL und die Blockierung des gesamten Nicht-HTTP-Datenverkehrs für den Wahlzeitraum noch verschärft wurden, insbesondere am 14. Juni, dem Tag der Wahl selbst. Die Software von Psiphon blieb während dieses gesamten Zeitraums verfügbar. Obwohl es aufgrund der extremen Drosselung zu einem Rückgang des Datenverkehrs kam, gab es immer noch über 400.000 Verbindungen von 125.000 Unique Usern.


Psiphon verbreitete auch Inhalte für Projekte, die eingerichtet wurden, um Iraner speziell während der Wahlperiode zu unterstützen. Dazu gehören The Global Dialogue und We Choose – Projekte, die eine Plattform boten, auf der das iranische Internetpublikum wahlbezogene Themen diskutieren und in einem sicheren, offenen und fairen Prozess über Kandidaten abstimmen konnte.


Viele weitere technische Details über die Wahlperiode können Sie in einem Bericht unserer Kollegen von ASL19 nachlesen.


Wie sieht die Zukunft im Iran aus? Wir haben einige ermutigende Signale von Hassan Rouhani gesehen, wie seine Offenheit gegenüber sozialen Medien, aber unsere Nutzerbasis wächst weiter, und das gilt auch für die Berichte, die wir über blockierte Websites erhalten. Letzte Woche forderte der neue Intendant der Deutschen Welle, Peter Limbourg, Rouhani auf, die Blockierung der persischen Website seiner Organisation einzustellen. Er lobte auch die Arbeit, die wir bei Psiphon leisten, um DW-Inhalte in den Iran zu übermitteln.


In diesem Monat starten wir außerdem zwei neue Partnerschaften mit Manoto 1 und Radio Zamaneh. Beide Sender haben ein großes persischsprachiges Publikum und versuchen, ihre Inhalte im Iran sichtbar und hörbar zu machen. Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit diesen Sendern und wissen, dass dies dazu beitragen wird, noch mehr Iranern Nachrichten, Informationen und Social-Media-Inhalte zugänglich zu machen.


UmgehungIranPsiphon VPN

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